Passen Sie Ihre IT an die Mitarbeitenden von morgen an
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«Passen Sie Ihre IT an die Mitarbeitenden von morgen an»

In spätestens fünf Jahren erreicht eine neue Generation unsere Unternehmen. Genau diejenigen, für die IT‑Anwendungen ganz selbstverständlich nur noch auf Tablets und Smartphones genutzt werden. Diese junge Generation informiert sich mithilfe von Tutorials und jongliert mit Apps auf ihren Smartphones. 


Laurent Gfeller*

 

Im Laufe der 80er und 90er Jahre wurde die IT‑Technologie für mittelständische Unternehmen zugänglich. Computer zur Verbesserung der Arbeitsabläufe wurden angeschafft und die Mitarbeitenden mussten auf den neuen Geräten geschult werden. Und wie so oft hat sich mit dem Aufkommen der neuen Technologien ein Graben zwischen denen aufgetan, die diese neuen Werkzeuge mit Leichtigkeit anwenden konnten, und denen, die schon grössere Schwierigkeiten damit hatten, einfach nur die Maus zu bedienen. Heute, wo gemäss BFS 87 % der Schweizer Haushalte im 2012 einen Computer und 95% ein Smartphone besitzen, stellt sich die Frage nach den IT‑Kenntnissen überhaupt nicht mehr. Warum also sollten sich Unternehmen auf die Ankunft dieser neuen Generation vorbereiten? Auf die Altersklasse, die umgeben von Tablets und Smartphones aufwächst und permanenten Zugang zum Internet benötigt? Ganz einfach aus dem Grund, weil die heutige Jugend Informationstechnologien auf ganz andere Art und Weise konsumieren als wir Älteren es uns gewohnt sind.

Folglich zwei Beispiele aus unserem Alltag:

Das bevorzugte Medium

Beginnen wir bei Suchmaschinen. YouTube hat Google als Suchmaschine verdrängt. Hier muss berücksichtigt werden, dass die Jugendlichen es nicht mehr gewohnt sind, Informationen oder eine Anweisungen zu lesen. Sie visualisieren diese lieber. Haben Ihre Kinder oder Ihre Enkelkinder schon einmal ein Benutzerhandbuch gelesen? Meine haben mir ganz schnell zu verstehen gegeben, dass ein Tutorial viel besser ist. Die einfache Begründung: „Papa, wenn du es mit diesem Tutorial nicht verstehst, suche ich dir einfach ein anderes.“ Und so studiere ich nun also, mir selbst überlassen, das Mini‑Benutzerhandbuch für die neue Swatch Touch, während mein Sohn mit drei Klicks bereits eine von einem anderen Teenie vorgeführte Anleitung auf YouTube findet. 

Der technische Ansatz

Geht es darum, ein technisches Problem zu lösen, ist die Herangehensweise oft eine andere als bei unserer Generation. Wer hat auch bereits einmal beim Einrichten seines neuen WLAN-Druckers mehrere Stunden Zeit verloren? Heute sind Begriffe wie Ordner, Festplatte, Betriebssystem oder Konnektivität nicht mehr Teil des Vokabulars unserer zukünftigen jungen Kollegen. Vor dem Hintergrund des Überangebots der verfügbaren Anwendungen löscht und installiert man einfach ein weiteres Programm, das die Bedürfnisse vielleicht sogar noch besser erfüllt, wenn ein anderes nicht mehr funktioniert. Dies gilt ebenso für Programme, die sich als zu komplex herausstellen. Bereits heute werden diese Verhaltensweisen von Softwareentwicklern in deren Entwicklungspläne berücksichtigt – sie müssen, um das Überleben der Software zukünftig zu sichern. Wenn das Cloud‑Computing einen großen technologischen Wandel darstellt, dann steht diese junge Generation von Arbeitskräften für eine Verhaltensrevolution, die die Entwickler dazu zwingen wird, IT‑Anwendungen zu vereinfachen. 

 

Die zukünftige Herausforderung für Arbeitgeber oder IT‑Dienstleister besteht darin, eine Koexistenz von zwei Generationen zu ermöglichen. Sicherlich verfügen sie alle über genügend IT‑Kenntnisse, aber ihre Bedürfnisse bezüglich technischen Supports oder auch die Erwartungen an Softwareanwendungen werden gewiss nicht deckungsgleich sein. Bis Programme auf den Markt kommen, die nicht nur den routinierten Excel-nutzenden Statistiker überzeugen, sondern auch den Nachbarssohn, der sein Taschengeld über sein Tablet verwaltet oder seine Unterrichtsmaterialien über das Smartphone austauscht, beobachten Sie und nehmen Sie zum Spass die Verhaltensweisen und Reflexe dieser neuen Generation unter die Lupe! Beobachten Sie, denn sie sind vielleicht der Schlüssel für eine erfolgreiche harmonische Integration dieser Veränderungen in unseren Unternehmen, ohne dabei alle Traditionen und Überzeugungen umstossen zu müssen.

 

 



*Laurent Gfeller

ist Verantwortlicher für die Westschweiz bei ABACUS Research und Vater von zwei Söhnen im Alter von 12 und 14 Jahren.