Interview mit Daniel Senn
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Daniel Senn

 

Hätten Sie sich vor 28 Jahren träumen lassen, dass von Ihrer Lohnsoftware einmal mehr als 10‘000 Lizenzen verkauft würden?

 

Nein, natürlich nicht, auch wenn wir in den ersten 20 Monaten bereits 350 Lizenzen verkaufen konnten. Bei der Entwicklung einer neuen Software-Applikation, mit der man auch im fachlichen Bereich Neuland betritt, ist besonders der Start schwierig. Der Markt wartet in der Regel nicht auf ein neues Programm wie dieses. Zudem müssen sich solche Neuentwicklungen mit Hilfe ihrer Qualität, ihrer Funktionalität und ihrem Bedienkomfort gegenüber anderen Produkten durchsetzen.

 

Wie viele Lohnabrechnungen werden pro Jahr mit Ihrer Software erstellt?

 

Wir gehen davon aus, dass in der Schweiz jeden Monat rund eine Million Lohnabrechnungen mit unserer Software erstellt werden. Zudem haben wir auch etliche Anwender, die ihre Spesen mit Hilfe der Lohnsoftware auszahlen.

 

Eine weitere interessante Zahl betrifft die Höhe der Auszahlungen. Wir nehmen an, dass sie, vorsichtig geschätzt, zwischen sechs und sieben Milliarden Franken pro Monat und rund 80 Milliarden Franken pro Jahr beträgt.

 

Wie wichtig sind solche Zahlen für Sie?

 

Sie belegen unseren Erfolg. Erfolgreich verkaufen kann man bekanntlich nur, wenn man ein solides, gutes Produkt offerieren kann. Unseres erfüllt mich mit Freude und Stolz. Andererseits verweisen diese Zahlen aber auch darauf, dass wir eine grosse Verantwortung gegenüber unseren Anwendern tragen. Wir stehen in der Pflicht, jede neue Programmversion in bestmöglicher Qualität auszuliefern. Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn unsere Kunden wegen eines Fehlers plötzlich keine Lohnabrechnungen mehr erstellen könnten: Dann bekäme fast ein Drittel der Schweizer Erwerbsbevölkerung keinen Lohn mehr ausbezahlt – ein Albtraum!

 

Sie stehen also in der Pflicht Ihrer Anwender, was die Qualität anbelangt. Wie nehmen Sie diese Verpflichtung konkret wahr?

 

Gerade in die Qualitätssicherung haben wir in den letzten Jahren enorm viel investiert. Jeder Programmcode durchläuft von der Programmierung bis zur Auslieferung eine Vielzahl von speziellen Tests.

 

Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin, in der Lohn/HR-Abteilung sind dies 30 Mitarbeitende, sind mitverantwortlich für die Qualität unserer Programme und stehen in der Pflicht, diese Qualität konsequent zu gewährleisten.

 

Gab es in den vergangenen Jahren diesbezüglich auch kritische Momente?

 

Als Lohnprogrammentwickler ist man vor unliebsamen Überraschungen nie gefeit. So standen zum Beispiel nicht nur Lohnbuchhaltern, sondern auch unseren Programmierern die Haare zu Berge, als die Verantwortlichen des Kanton Genf im April plötzlich auf die Idee gekommen sind, rückwirkend per 1. Januar den Quellensteuertarif zu ändern. Als eine, allerdings erst im Rückblick lustige Anekdote entpuppte sich ein Softwarefehler, der dazu führte, dass bei einer Firma die Lohnauszahlungen auf die Postkonti ihrer Mitarbeitenden transferiert worden sind und deshalb von diesen persönlich am Postschalter abgeholt werden mussten.

 

Welches sind die Herausforderungen für Ihre Entwickler in den nächsten Jahren?

 

Die Entwicklung einer Lohnsoftware gestaltet sich heute technisch und funktional massiv aufwändiger als beispielsweise vor rund 15 Jahren, als wir dieses Programm noch zu zweit entwickelt haben und bereits über 6'000 Anwender hatten. Heute benötigen wir für diese Applikation 14 Programmierer. Ausserdem hat es zwei Teams, die aus Produktmanager und Support-Spezialisten bestehen, und inzwischen gleich stark gewachsen sind.

 

In der Schweiz besteht der Wunsch, dass der gesamte Datenaustausch zwischen den Unternehmen und Behörden wie Ausgleichskassen, Versicherern und Steuerämtern vollständig elektronisch gestaltet werden soll. Dazu gibt es Bestrebungen, die elektronische Übermittlung teilweise vorzuschreiben. So arbeiten wir dieses Jahr daran, das alles zu unterstützen. Eine weitere Herausforderung sind wir mit der Entwicklung einer spezifischen Lohnsoftware für Deutschland eingegangen. Die Markteinführung der ersten Version steht unmittelbar bevor. Auch hiesige Unternehmen dürften von diesen Anstrengungen mittelfristig profitieren, wenn wir Funktionalitäten, wie etwa die Zeitkonten für komplexe Arbeitszeitmodelle, die spezifisch für unser nördliches Nachbarland entwickelt wurden, auch in die Schweizer Version unserer Lohnsoftware integrieren werden.

 

Der aktuelle Megatrend besteht darin, Software aus der Cloud und dem Internet zu beziehen. Wie schneidet diesbezüglich die ABACUS Lohnsoftware ab?

 

Mit der kompletten Neuprogrammierung der gesamten ABACUS Softwarepalette sind wir darauf bereits seit einigen Jahren bestens vorbereitet. Bereits heute wird von rund 2'500 kleinen Unternehmen die ABACUS Lohnsoftware nicht mehr in-house installiert, sondern via Web auf den Servern ihrer Treuhändern genutzt. So setzen drei von vier Unternehmen, die sich letztes Jahr entschieden haben die ABACUS Lohnsoftware einzusetzen, auf die Cloud-Variante.

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